Das Karbon ist im Waldecker-Land nur sehr unvollständig repräsentiert, so finden sich nur Ablagerungen des Unter-Karbons, während das Ober-Karbon nur unsicher nachgewiesen ist. Die gefundenen klastischen Sedimente des Unter-Karbon werden als Kulmfazies bezeichnet. Die Sedimente sammelten sich in einem NE-SW streichendem Meeresbecken. Dieses wurde ab dem Oberdevon bis Oberkarbons von Süd nach Nord zugeschüttet. So bildeten sich einzelne Gesteinsschichten nicht überall zeitgleich, sondern entwickelten sich allmählich mit dem Nordwärts-Wandern des Beckens. Noch mal wiederholt bedeutet dies, dass sich einzelne Schichtglieder in bestimmten Regionen früher in anderen später entwickelten.
Durch diese anisochrone Ablagerung der Sedimente ist eine Beschreibung der Gesteinsabfolgen nach zeitlichen Gesichtspunkten schwierig. KULICK (1960/1968) und PAPROTH (1960) beschreiben die komplizierten Bildungsvorgänge der Kulmfazies eingehend.
Das Liegende wird überwiegend durch die schiefrig-sandigen, auf den Schwellen z.T. auch kalkigen, Hangenberg-Schichten (Tournai) gebildet. Das Unter-Vise beginnt mit pyritreichen kiseligen Schwarzschiefern in der homogenen Ausprägung der "Liegenden Alaunschiefer" zum Hangenden gehen sie in die Kieselschiefer und Kieselkalke über. Die Gesteine dieser Abfolge stellen ein Magersediment dar, das sich durch denn geringen Eintrag terrigener Sedimente zu dieser Zeit erklärt. Im Hangenden folgen kieselige Schwarzschiefer ("Kieselige Übergangsschichten"), die in den "Oberen Alaunschiefer" überführen. Diese Gesteine gelten heute allgemein als der Hostrock (Ausgangsgestein) des Edergoldes. Im Ober-Vise wird die Abfolge tonig (Posidonia Schiefer). Über diesen folgt wiederum eine sandige Fazies z.T. mit konglomeratischen Grauwacken |
Meischner und seine Kollegen interpretierten die gesamte höhere Folge als Produkt eines vorrückenden Turbidity-Current (submariner Schlamm-Strom). Zu erst befinden wir uns im distalen (weit von der Quelle entfernten) Bereich. Bis hierhin gelangen mit der Strömung nur noch die feinsten Partikel eines Schlammstroms, also die Tonteilchen. Durch das langsame Auffüllen des Beckens rückt die Quelle allmählich immer näher an unseren Ablagerungsraum heran. Durch die geringer Distanz werden nun auch gröbere (sandige) Bestandteile abgelagert. In proximaler Nähe zum Ursprung des Schlammstroms werden auch Konglomerate abgelagert. Proximale Nähe bedeutet hier, dass das Ablagerungssystem nun direkt am Schelfabhang und nicht mehr im Becken liegt.
Überall im Waldecker-Land sind Gesteine mit dieser Gense in Steinbrüchen und an Straßeneinschnitten zu finden. Ein bekannter Aufschluss liegt am Bahneinschnitt des Bahnhofs Lehlbach/Rhena (Unterer-Alaunschiefer bis Tonschiefer). Weiter schöne Aufschlüsse finden sich im Gebiet zwischen Adorf und Flechtdorf.
Die konglomeratischen Lagen finden sich in besonders guter Ausprägung an der Ederseerandstrasse. Hier lassen sich auch eine Vielzahl von geologischen Phänomen wie Spezialfaltung, Aufschiebung, deformierte Röhrenstrukturen, ... etc beobachten. Das Konglomerat hat hier die größte Mächtigkeit des gesamten Waldecker-Landes. Die aufgearbeiteten Gesteinsbruchstücke des Konglomerats bestehen aus Granit, Quarz, Quarziten und untergeordnet einigen anderen Gesteinen. Während des Tournai und Unter-Vise kam es lokal zur Ablagerung von vulkanischen Gesteinen. Diabase und Tuffe sind die häufigsten Vertreter. Am Eisenberg finden sich kleine Gänge mit vulkanischem Diabas. |